AUDIMAX der Ruhr-Universität von der Mensa (Ostseite) betrachtet

Absolventenfeier

Im Rahmen der Absolventenfeier der Juristischen Fakultät der Ruhr Universität habe ich die Absolventenfeier zusammen mit meinem Kommilitonen Tobias Ackermann gehalten.

Transkript der Absolventenrede

[Arne:] Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Kommillitonen!  Dank Ihnen!

Dank Ihnen, im Namen aller Absolventen, dass wir heute auch noch einige Worte an Sie verlieren dürfen. Fluch und segen einer solchen Absolventenrede ist es grundsätzlich, dass jederman über alles reden kann. Als Student mit latentem Größenwahn und Geltungssucht war ich natürlich versucht, über meine vermeintlichen Errungenschaften zu erzhälen. Aber wen interessieren die schon? Außer meinen Eltern. Die wahrscheinlich sehr froh sind, dass ich nicht zielgerichtet in die Arbeitslosigkeit studiert bin. Und den Professoren, die direkten Kontakt zu mir hatten und wahrscheinlich froh sind, dass ich endlich gehe.

1715 Tage hat es übrigens gedauert. Vom Tage meiner Immatrikukalation bis zu dem Tage, an dem Herr Schulte mein Gesamtzeugnis unterschrieben hat. Das sind 6 Jahre, die ich gerne an dieser Hochschule verbracht habe. Nicht, weil sie so schön ist. Denn es gibt viele Orte, die schöner sind. Sondern, weil ich in dieser Zeit Bekanntschaften, Freundschaften, und Bünde für’s Leben geschlossen habe. Derzeit machen dieses Erlebnis circa 50.000 andere Studenten. Schließen Freundschaften, betrinken sich am Wochenende, oder studieren möglicherweise halbtags mit angezogener Handbremse. Alles in dem Bewusstsein: Dass das alles mit dem Abschluss ihres Studiums ohne Belang ist. Aber an den Punkt zu kommen, den wir heute Abend feiern, ist ihr erkorenes Ziel.

Doch was zieht diese Massen an genau diese Universität? Ist es die bloße Nähe, die den ausziehfaulen Ruhrgebietsstudenten an die Universität lockt? Die kuschlige Wärme der U35 an Wintermorgenenen? Oder der Outdoor-Charakter, der aufkommt, wenn man sein eigenes Sitzpolster zur Vorlesung muss, weil man Angst hat keinen Sitzplatz zu bekommen? Nein. Die Ruhr Universität unterstützt und kümmert sich um ihre Studenten. Denn genau das ist Universitas. Sie ist Gemeinschaft. Und sie schafft Gemeinschaft. In meinem ersten Semester habe ich einen Aufsatz gelesen, der in etwa überschrieben war mit dem Satz: “Das Jurastudium ist wie eine Bahnfahrt; nutze die Zeit und schaue aus dem Fenster.” Und jemand, der aus dem Fenster geschaut hat, steht nun neben mir.

[Tim:] Das war mein Stichwort: aus dem Fenster schauen. Das konnten wir an den verschiedensten Punkten unseres Jurastudiums. Und viele von uns haben diese Möglichkeit auch genutzt. Ein Semester oder ein Praktikum im Ausland. Engagement rund um die Uni. Oder Vorlesungen, KKurse und Vorträge ganz abseits der Examensrelevanz. Die meisten werden mir beipflichten, wenn ich sage, dass das Studium immer dann am meisten Spaß gemacht hat, wenn es gerade nicht so sehr um das Examen ging, sondern dann, wenn man sich individuell für eine Sache entscheiden konnte, bei der man echte oder zumindest etwas Begeisterung für das Fach entwickeln konnte.

Die Ruhr Universität macht in dieser Hinsicht viel. Sie bietet viel an. Sie fördert viel. Sie fordert vielleicht aber ein bisschen zu wenig.

Unter den Projekten, die die Universität seit Jahren fördert, ist auch ein jährlich stattfindener Studentenwettbewerb: Der sog. Jessup Moot Court. Vor zwei Jahren war ich Teil eines Teams von 5 Stundenten und unserer Betreuer. Wir haben gemeinsam ein Semester lang abseits vom normalen Studienalltag an einem fiktiven Streitfall zwischen zwei Staaten gearbeitet. Wir mussten Berge von Literatur durchforsten und Argumente sammeln. Strategien entwickeln für unsere Schriftsätze. Und das Plädieren während einer simulierten Gerichtsverhandlung trainieren. Wie nur sollte man den Richtern erklären, dass man ein durch den Klimawandel überschwemmten und dadurch unbewohnbaren Inselstaat noch Staat nennen sollte? Und wie sollte man den Richtern klar mahcen, dass die Rechte der Angespülten in Sudana nicht verletzt wurden, und dass obwohl der Nchbarstaat sie monatelang in schäbige Lager gesperrt hat? Das Moot Court Semester wurde durch die intensive Arbeit im Team, durch die gemeinsame Erfahrung – erst in Bochum, dann in Heidelberg, später in Washington – zum besten Abschnitt des Studierens überhaupt. Und viele werden ihre Blicke äber den Tellerrand ähnlich einschätzen. Die Universität hat dieses Moot Court Semester kräftig unterstützt. Wenn aber die Fakultät diese Internationalität föm;rdert und auch leben möchte, sollte sie – das als kleine Kritik – versuchen ihr Interesse und ihre Wertschätzung etwas deutlicher zu sagen. Insbesondere um Nachfolger zu motivieren.

Natürlich ist nun, liebe Absolventen, unser Studium zuende. Das heißt aber nicht, dass der eben angesprochene Zug nicht mehr weiter fährt. Auch im Referendariat oder sonst wo, wir können und wir sollten weiter aus dem Fenster schauen. Aber am Ende des Studiums stand nun das Examen. Aber wir wollen in unsere Rede auch ein Paar Worte zum Examen beschließen. Wir wollen aber nicht über den Stress oder die Ängste sprechen. Denn das kann jeder von Ihnen am besten selber berichten. Arne und ich möchten vielmehr – sicherlich im Namen aller Absolventen – diesen Moment nutzen, um denjenigen zu danken, die mit Verständnis und Unterstütztung, aber vor allem Zeit und Geld unser Studium insgesamt begleitet haben. Ohne sie wäre der Zug schon lange vor der Examensstation entgleist.

[Arne:] Vielen Dank also. Ihnen und Euch. Denn Ihnen gebürt dieser Applaus: Unseren Eltern, unseren Freunden und unseren Förderern.

[collapse]